Passhöhe – Schweizer Stimmen

am 26. Januar im Stuttgarter Literaturhaus

Passhöhe – Schweizer Stimmen im Stuttgarter Literaturhaus
Martina Clavadetscher, Schreibkollektiv AJAR, Ralph Dutli, Serpentina Hagner, Dana Grigorcea, Perikles Monioudis, Jürg Halter
Sie benennt die tiefstmögliche begehbare Stelle eines Bergkamms, eines Gratverlaufs oder Hohenrückens und birgt auf diese Weise zugleich ein Minimum und Maximum in sich: die Passhöhe. Diese nehmen wir zum Anlass, ein konzentriertes Minimum in Form eines Abends der Schweizer Literatur mit dem Maximum zusammenzubringen, mit aufregenden, neuen wie auch bekannten Schweizer Autor*innen, die wir in literarischer wie ästhetischer Formatvielfalt vorstellen. Das Programm setzt sich zusammen aus Bühnenperformance, Comic, Vortrag, Lesung und Gespräch, mit Einblicken in die Schweizer Nachwuchsschmiede, Gesprächen mit einem schreibenden Paar und der Präsentation des Schreibkollektivs AJAR, das nicht allein, sondern zusammen die Feder in die Hand nimmt.

Station 1 // zwischen/miete special
18.00 – 18.45 Uhr
Knochenlieder
Martina Clavadetscher
Lesung und Gespräch
Moderation: Marcus Willand
Martina Clavadetscher legt mit ihrem zweiten Roman in verknappter Sprache und schnellen Dialogen eine bitterböse Zukunftsgeschichte vor, in die sie geschickt verschiedene Märchenmotive einflicht. „Knochenlieder“ (edition Bücherlese) stand 2017 auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises und erzählt die Geschichte der Familien Grün und Blau über rund sechs Jahrzehnte, beginnenden um 2020. Steht im ersten Teil das abgeschottete Leben in der Siedlung im Mittelpunkt, so spielt der Roman im zweiten Teil und gut zwanzig Jahre später in einer überwachten Stadt, die nur noch den Ausnahmezustand kennt. 1979 geboren, arbeitet Clavadetscher als Autorin, Dramatikerin und Radiokolumnistin. 2014 erschien ihr Prosadebüt „Sammler“ im Verlag Martin Wallimann, in der Spielzeit 2013/2014 war sie zudem Hausautorin am Luzerner Theater.

Station 2
18.45 – 19.30 Uhr
Unter diesen Linden
Schreibkollektiv AJAR
Bruno Pellegrino, Matthieu Ruf und Lydia Schenk
Lesung und Performance
„Unter diesen Linden“ (Lenos Verlag) sei der aufsehenerregende zu Lebzeiten unveröffentliche Roman der fiktiven Grande Dame der Westschweizer Literatur, Esther Montandon. Die vermeintlich vergessene Schriftstellerin wurde für ein Kunstprojekt kreiert, der Roman geschrieben vom AJAR-Collectif littéraire. Die in der ganzen Romandie verstreuten Autor*innen binden das junge bilinguale Schreibkollektiv, das in Fragmenten schreibt, die sie in der gemeinsamen Dropbox teilen. Prozess und Resultat dieses mehrstimmig-einstimmigen Schreibens präsentiert AJAR in einer deutsch-französischen Performance.

19.30 – 20.00 Uhr
Öppis chlis z’ässä (Schweizer Wein und Käse)

Station 3
20.00 – 20.30 Uhr
Winterpech & Sommerpech: Werkschau eines Tausendsassas
Ralph Dutli
Essay und Vortrag
Ralph Dutli gehört zu den renommiertesten Schweizer Autoren der Gegenwart. Für seine Bücher und Editionen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und wurde 2013 und 2015 für den deutschen Buchpreis und den Schweizer Buchpreis nominiert. Sein jüngstes Werk „Winterpech & Sommerpech“ (Wallstein Verlag) öffnet uns den Blick auf erstaunlich moderne Poesie des mittelalterlichen Frankreichs. So ist der Pariser Dichter Rutebeuf (1230-1285) ein Poet völlig neuen Typs: Radikal subjektiv und provokativ unhöfisch berichtet Rutebeuf von Armut, Elend, Spiel- und Trunksucht und seinem Hadern mit Gott. 750 Jahre später nach Erscheinen der französischen Originaltexte übersetzt Ralph Dutli nun erstmals eine Auswahl ins Deutsche und vollendet seine „Kleine Trilogie des 13. Jahrhunderts“, in der er die Wurzeln unserer literarischen Moderne im Mittelalter aufspürt.

Station 4
20.30 – 21.00 Uhr
Der Märchenmaler von Zürich
Serpentina Hagner
Moderation: Sara Dahme
Comiclesung und Gespräch
Serpentina Hagner zeichnet in ihrer Graphic Novel „Der Märchenmaler von Zürich“ (edition moderne) ein turbulentes Portrait ihrer Familie. Angefangen mit der Großmutter des Märchenmalers Pauline, die sich mit ihrem unbändigen Temperament und ihrer Durchtriebenheit einen reichen Industriellen angelt, über die traumatische Kindheit von Emil Medardus Hagner als „Kuckuckskind“, bis zu seinem späteren Schaffen als Märchenmaler von Zurüch. Darüber hinaus bietet der Comic ein für Schweizer Verhältnisse ungewohnt deftiges und überaus vergnügliches Sittenbild von Zürich in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Serpentina Hagner ist 2017 die erste Schweizer Finalistin des Comicbuchpreises 2017 der Berthold Leibinger Stiftung.

21.00 – 21.15 Uhr
Öppis chlis z’ässä (Schweizer Wein und Käse)

Station 5
21.15 – 22.00 Uhr
Paarläufe: 2x schreiben
Dana Grigorcea und Perikles Monioudis
Lesung und Gespräch
Moderation: Renata Burckhardt
Schreiben ist kein Teamsport – oder doch? Dana Grigorcea, geboren 1979 in Bukarest, und Perikles Monioudis, ein Schweizer mit griechischen Vorfahren. Was sie verbindet ist die gemeinsame, gewählte Heimat Zürich, die Liebe zum Schreiben – und zueinander. Wir sprechen mit dem Schweizer Schriftstellerpaar über ihre jeweiligen aktuellen Arbeiten, die Besonderheit einer Künstlerehe und das Handwerk des Schreibens – das vielleicht kein einsames Handwerk sein muss. Für ihr zweites Buch „Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit“ erhielt Dana Grigorcea 2015 den 3sat-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. In Kürze erscheint ihr neuer Roman „Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen“ (Dörlemann Verlag), aus dem sie einige Kostproben lesen wird. Perikles Monioudis wurde für seine in mehrere Sprachen übersetzen Romane und Erzählbände mit vielen Auszeichnungen bedacht. Jüngst erschien sein Roman „Land“, über die Reise eines jungen Mannes auf den Spuren seiner Vorfahren durch viele Hafenstädte des Mittelmeerraums.

Station 6
22.00 – 22.45 Uhr
Mondkreisläufer
Jürg Halter
Perfomancepoesie
„Mondkreisläufer“ feierte ursprünglich als Theaterstück seine Premiere 2016 am Theater Bern. Es folgten zahlreiche ausverkaufte Vorstellungen, begeisterte Kritiken und die Einladung zu den Autorentheatertagen nach Berlin 2017, einem der wichtigsten Festivals für zeitgenössische deutschsprachige Dramatik. Jetzt hat Halter den Theatertext weiterentwickelt und in einen schillernden Prosatext verwandelt, der 2017 beim Schweizer Verlag und Veranstalter für Spoken Word, Der gesunde Menschenverstand, erschienen ist. Im Grenzgebiet zwischen Vernunft und Wahnsinn setzt Halter einen namenlosen Protagonisten aus und schickt ihn auf die Suche nach seiner ersehnten Mutter, die sich auf dem Mond befinden soll. Dabei drängt er den Leser, dem unablässig Sprechenden zu folgen und mit ihm und anderen eine neue Gemeinschaft zu begründen. Jürg Halter ist Schriftsteller, Musiker, Performancekünstler und Pionier der neuen deutschsprachigen Spoken-Word-Szene.

Station 7
22.45 – 23.00 Uhr
Mond aus!
Dana Grigorcea
Bilderbuchlesung & Bettmümpfeli (Schoggi von Läderach)
Mit dem Kinderbuch „Mond aus!“ (Baeschlin Verlag) von Dana Grigorcea, illustriert von Anna Luchs, endet die Wanderung durch die Literaturlandschaft der Schweiz. Im Wald ist es laut – und hell! Der Wolf kann nicht schlafen. Er ärgert sich. Wenn nur der Mond nicht so hell wäre! Dann wären auch die Frösche nicht so laut. Da hat es der Fuchs schon besser: Sein buschiger Schwanz sorgt für Dunkelheit. Oder die Wildschweinfamilie: Die hört nur sich selbst im Schlafe grunzen. „Mond aus!“, jault der Wolf.

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung und dem Schweizerischen Generalkonsulat in Stuttgart sowie Läderach

Eintritt: Euro 5,-/Mitglieder frei

Weitere Informationen finden Sie unter: www.literaturhaus-stuttgart.de