Literaturhaus Hamburg

Die spätklassizistische Villa an der Außenalster feiert 2009 ihr 20-jähriges Jubiläum als Literaturhaus. Gerd Bucerius, der Begründer der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, erwarb Mitte der achtziger Jahre das Gebäude, in dem sich zuvor die Tanzschulen von Rudolf Laban und Lola Rogge sowie ein Durchgangsheim für Mädchen befanden, ließ es mit Unterstützung der Stadt und großzügiger Mäzene renovieren und stellte es dem Literaturhaus-Verein zur Nutzung bereit. Als Nachfahr der Kaffeehäuser zeigt sich das Haus mit dem prächtigen Festsaal, den Salons in der Beletage sowie der Gastronomie und nicht zuletzt mit der „Lesbar“, deren Wände mit Faksimiles des Hamburger Schriftstellers Peter Rühmkorf geschmückt sind.

Das Literaturhaus füllte als Ort für Literatur eine Leerstelle im urbanen Gewebe. Es ist Hamburgs erste Adresse für die Vermittlung von Literatur, wobei der Gegenwartsliteratur ein besonderer Stellenwert eingeräumt wird. Das Haus hat sich als Ort eines übergreifenden, intellektuellen Diskurses etabliert und bietet Autoren wie Literaturinteressierten eine geistige Heimat und verankert Literatur als Live-Erlebnis. Performances, Diskussionen, musikalische und szenische Abende ergänzen das klassische Lesungsprogramm des Hauses. Themenreihen wie das „Philosophische Café“, „Irgendwie komisch“, „Bildbeschreibungen“ oder das „Gemischte Doppel“ tragen zum Profil bei. Eine Brücke nach Skandinavien schlagen die alle zwei Jahre stattfindenden „Nordischen Literaturtage“. Über Hamburg hinaus bekannt ist der mit 10.000 Euro dotierte Mara-Cassens-Preis, der jährlich für den besten deutschsprachigen Debütroman vergeben wird. Das Literaturhaus Hamburg ist, wie einst die literarischen Salons, ein Ort der literarischen Geselligkeit, des Erzählens und Vorlesens, bleibt jedoch keinem exklusive Kreis vorbehalten, sondern dient als öffentlicher Treffpunkt.

Um den Nachwuchs an jungen Schreibern und Lesern kümmern sich das „Schreiblabor“, eine Prosawerkstatt für Jugendliche, sowie die Veranstaltungsreihen „spaß mit büchern“ und der „sta*-club – schüler treffen autoren“ sowie die „Gedankenflieger“, bei der Kinder unter Anleitung über große Lebensfragen nachdenken.


Leitung: Prof. Dr. Rainer Moritz

moritzProf. Dr. Rainer Moritz, geboren 1958 in Heilbronn. Studium der Germanistik, Philosophie und Romanistik in Tübingen. Literaturwissenschaftliche Promotion 1988. Seit 1989 im Verlagswesen, zuletzt als Programmgeschäftsführer des Hoffmann und Campe Verlags, Hamburg. Vizepräsident der Marcel Proust Gesellschaft. Übersetzer, Kritiker und Essayist, vor allem für Neue Zürcher Zeitung, Literarische Welt, Die Presse, Deutschlandfunk, Deutschlandradio. Seit Anfang 2005 Leiter des Literaturhauses Hamburg. 2008 Sprecher der Jury des Deutschen Buchpreises.

Letzte Publikationen: (mit Andreas Licht) Dicht am Paradies. Spaziergänge durch Pariser Parks und Gärten. München 2014; Schnauze voll! Schluss mit dem Optimierungsquatsch. Frankfurt/Main 2015; Wer hat den schlechtesten Sex? Eine literarische Stellensuche. München 2015; Die Überlebensbibliothek. Bücher für alle Lebenslagen (Neuausgabe). Hamburg 2016

Foto: Gunter Glücklich