Literaturhaus Wien

In einem geschichtsträchtigen Haus im Herzen des Künstler-Bezirks Wien-Neubau wurde 1991 das Literaturhaus Wien als erstes Literaturhaus in Österreich eröffnet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beherbergte das Gründerzeithaus in der Seidengasse 13 eines der größten Stoffhäuser Wiens – der Straßenname verweist noch auf die einstige Bedeutung des Viertels als Produktions- und Handelsplatz für Textilien. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs betrieb hier die US-amerikanische Besatzungsbehörde das Wiener Studio des Radiosenders Rot-Weiß-Rot, zu dessen Redaktionsteam Ingeborg Bachmann gehörte. In der Aufbruchszeit der 1970er Jahre zog das Dramatische Zentrum ein und das Haus wurde zu einem legendären Treffpunkt der freien Theaterszene.

Heute präsentiert sich hier eine der ersten Adressen für die zeitgenössische Literatur des Landes, wo ein moderner Literaturbetrieb mit einem schwerpunktmäßig „jungen“ Veranstaltungsprogramm und einem umfassenden Vermittlungsangebot auf ein höchst renommiertes Archiv zur österreichischen Literatur des 20./21. Jahrhunderts trifft.

Zentrum des Gebäudes ist die lichtdurchflutete Freihandbibliothek mit mehr als 70.000 Bänden, einer umfangreichen Zeitschriftensammlung und über 1 Million Zeitungsartikel zu österreichischer Literatur der letzten 120 Jahre. Mit der Österreichischen Exilbibliothek ist ein Bereich der Bibliothek Leben und Werk von Exilant/inn/en gewidmet, die in den 1930er und 1940er Jahren Österreich verlassen mussten.

Österreichische Literatur ist der Schwerpunkt des umfangreichen Veranstaltungsprogramms – Lesungen, Buch- und Verlagspräsentationen, Diskussionen, Ausstellungen, wissenschaftliche Veranstaltungen, Konferenzen und Tagungen – alle Veranstaltungen sind bei freiem Eintritt zugänglich – stehen ebenso auf dem Programm wie der erfolgreichste Poetry-Slam der Stadt, der Slam B. Das Literaturhaus hat sich auch als beliebter Präsentationsort von Literatur an den Schnittstellen zu Film, bildender Kunst, Musik und Tanz etabliert. Mit dem Erich Fried Preis und dem Reinhard Priessnitz Preis werden hier zwei renommierte österreichische Literaturpreise vergeben.

Speziell an junge Besucher/innen bis 20 Jahre richten sich Angebote wie die „Junge LiteraturhausWerkstatt“ für Schreibende, der Buchklub „Jury der jungen Leser“ oder Recherche-Workshops für Schüler/innen.

Das Internationale Literaturfestival – Erich Fried Tage lädt alle zwei Jahre im Herbst namhafte Autor/inn/en aus der ganzen Welt zu Themenschwerpunkten wie zuletzt zu „Utopien/Dystopien“ und „literarischen Reportagen“.

Das Literaturhaus Wien beherbergt zudem noch zwei Einrichtungen: die Interessengemeinschaft Autorinnen Autoren und die Interessengemeinschaft Übersetzerinnen Übersetzer. Das gemeinsame Ziel dieser beiden unabhängigen Berufsverbände ist die Verbesserung der rechtlichen, sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen von Autor/inn/en bzw. literarischen und wissenschaftlichen Übersetzer/inn/en.


Leitung: Robert Huez

huezRobert Huez, geboren 1965, aufgewachsen in Lana/Südtirol, Studium der Germanistik und Geschichte in Innsbruck, Abschluss 1990, Arbeit zu Norbert C. Kaser, Projektarbeit Kommentar zu Karl Kraus, 1992 bis 2008 Geschäftsführer des Vereins der Bücherwürmer in Lana/Südtirol, seit 2008 Leiter des Literaturhauses Wien. Veröffentlichungen in Zeitschriften, Anthologien, Kunst-Katalogen. Publikationen u. a.: mit Anne Zauner Hrsg. der Anthologie laut lauter lyrik (Haymon, 2009), mit Christine Vescoli Hrsg. Verortung. Texte und Positionen zu dreißig Jahre Lana und Literatur (Edition Per Procura, 2010). Seit 2012 Mitglied des Komitees des Lyrikpreis Meran.

Foto © Lukas Dostal