
Mit einer Rede von W.G. Sebald wurde das Literaturhaus 2001 eröffnet. Das denkmalgeschützte Gebäude mit historischem Pater-Noster und Atrium liegt gegenüber der Liederhalle und ist Teil des neu gestalteten Bosch-Areals. Zwei Etagen sind im Besitz des 1997 gegründeten Literaturhaus-Vereins. 2,5 Mio € des Kaufpreises bezahlte die Stadt Stuttgart, die auch für rund ein Viertel des laufenden Etats aufkommt. 1,5 Mio € stammen aus privaten Spenden, die im Zuge einer engagierten Bürgerbewegung aufgebracht wurden. Noch heute unterstützen über tausend Mitglieder und ‚Freunde’ die Arbeit des Hauses. Im Erdgeschoss finden Besucher das Literaturhaus-Lokal Vinum sowie eine kleine Buchhandlung.
Ob Orhan Pamuk, Sibylle Lewitscharoff oder (der norwegische Experimentalkünstler) Terje Dragseth, ob 1800 Besucher, 180 oder 18, ob Architektur oder Zeichentrickfilm, ob Tagungen zur Literatur Afrikas oder Nachtgespräche mit Hanns-Josef Ortheil – das Literaturhaus Stuttgart hat sich zu einem lebendigen Treffpunkt der Stadt entwickelt. Für viele Abende werden Originalbeiträge in Auftrag gegeben, so in den Essayreihen Betrifft: (mit der Stuttgarter Zeitung), Fremdwort (mit dem SWR) oder der politischen Reihe J’accuse…! (mit dem Institut Français). Schwerpunkte sind überdies Comic & Literatur, das Festival der digitalen Literatur Literatur und Strom sowie Literatür, die deutsch-türkische Literaturnacht. Hinzu kommen Ausstellungen, oft von Publikationen begleitet; jüngst etwa W.G. Sebald – Zerstreute Reminiszenzen, die bis nach Brüssel wanderte.
Langen Atem beweist das Haus mit seinen Schreibwerkstätten für Jugendliche. Gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung gelang es, die Arbeit mit Schülern nachhaltig in das Literaturhausmodell zu integrieren. Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren besuchten Kurse in den Bereichen Prosa, Lyrik, Reportage, Drama, Comic, Rap und »Science und Fiction«. Inzwischen wurde die Idee weiterentwickelt: Seit 2006 haben ausgewählte Schulen die Werkstattangebote in ihren Deutschunterricht integriert. Autoren und Lehrer machen Unterricht im Dialog, sowohl in den Schulen als auch im Literaturhaus. Fortbildungen für Lehrer und eine wissenschaftliche Evaluation ergänzen die praktische Arbeit. Das Projekt wurde 2007 mit dem Zukunftspreis Jugendkultur der PwC-Stiftung sowie mit dem Preis Kinder zum Olymp der Kulturstiftung der Länder ausgezeichnet.

Publikationen: Poésie à Berlin aujourd'hui, in: POÉSIE, No 55. 1991; René Leynaud: Poésies/Gedichte, mit Judith Kees. Lyon 1994; Heinrich Heine und das Ballett, in: Heinrich Heine zum 200. Geburtstag. Brüssel 1998; Im Exil - Richard Wagner und der "Tannhäuser" Heinrich Heines, in: Tannhäuser. Frankfurt/Leipzig 1999.
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