Xi Chuan (eigtl. Liu Jun), 1963 in Xuzhou, in der Provinz Jiangsu geboren, arbeitete nach dem Englisch-Studium zunächst als Redakteur und war eine Zeitlang Gastprofessor in den USA. Heute unterrichtet der bekannte Lyriker und Übersetzer Klassische Chinesische Literatur an der Zentralakademie der Schönen Künste in Beijing. Xi Chuan wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Schon als Student trat Xi Chuan literarisch hervor, gründete mehrere Literaturmagazine, die sich Problemen mit der Zensur ausgesetzt sahen. Nach den Ereignissen auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 und dem Selbstmord seines Dichterfreundes Hai Zi wandte sich Xi Chuan von seiner ursprünglich klassizistischen Kunstauffassung ab.
Xi Chuan ist insbesondere für seine langen Prosa-Dichtungen bekannt. Zu seinen wichtigsten Texten zählen „Zhijing“ (1992; Ü: Gruß) und „Ying de Huayu“ (1999; dt. „Die Diskurse des Adlers“, 2004), in denen er sich dem Absurden der Existenz zuwendet. Bisher veröffentlichte Xi Chuan vier Lyrikbände, darunter „Dayi ru ci“ (1997; Ü: Das ist gemeint) und „Geren Haowu“ (2008; Ü: Private Vorlieben), ein Theaterstück und drei Essaybände. 1997 gab er die Werke seines verstorbenen Freundes Hai Zi heraus.
Mehrere Stipendien ermöglichten ihm längere Aufenthalte im Ausland, etwa in Indien, den USA und im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf in Deutschland. Im Rahmen des Programms „Beijing Case“ setzte er sich 2005/06 mit dem chinesischen Bauboom und der Zerstörung gewachsener urbaner Strukturen sowie religiöser Orte in der Großstadt auseinander. Xi Chuan lebt in Beijing.