Die Lyrik Franz Josef Czernins

literaturhaus.net empfiehlt Lyrik / Februar 2016

Agnes Altziebler vom Literaturhaus Graz empfiehlt Franz Josef Czernin, den österreichischen Lyriker, Essayisten und Aphoristiker, von dem zuletzt der Lyrikband zungenenglisch. visionen, varianten 2014 im Carl Hanser Verlag sowie 2015 Beginnt ein Staubkorn sich zu drehn: Ornamente, Metamorphosen und andere Versuche, eine der ersten Publikationen in dem von Ulf Stolterfoht gegründeten Verlag Brueterich Press, erschienen sind. Dort wird Franz Josef Czernin als der »derzeit wohl bedeutendste Ästhetiker der Gegenwart« bezeichnet, dessen Auswahl seiner Essays zur Gegenwartsliteratur, »sich mit der von Czernin bekannten Akribie mit grundsätzlichen Fragen befassen, etwa mit dem Verhältnis von Poesie, Autor und Intentionalität« oder den für die Dichtung möglichen »Verwandlungen«. Am Ausgangspunkt dieser poetologischen Erkundungen steht eine Einsicht des Romantikers Novalis: »Dass wenn einer bloss spricht um zu sprechen, er gerade die herrlichsten, originellsten Wahrheiten ausspricht. Will er aber von etwas Bestimmtem sprechen, so lässt ihn die launige Sprache das lächerlichste und verkehrteste Zeug sagen.« Gerade erst wurde Franz Josef Czernin mit dem Ernst-Jandl-Preis 2015 für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Lyrik ausgezeichnet. »Franz Josef Czernins Werk ist ein großes Abenteuer der Literatur, ein enzyklopädisches Unternehmen, das seinen Gegenstand in immer neuen Versuchen umkreist. Der Zusammenhang zwischen Subjekt, Sprache und Welt wird in seiner Poesie einem Spiel überlassen, bei dem Dichtung und Erkenntnis in eins fallen«, heißt es in der Preisbegründung. Kurz gesagt: ein Dichter, der vom strengen Sonett bis zum sprachspielerischen Experiment eigene poetische Welten schafft, die er gleichzeitig immer wieder aufs Neue zu hinterfragen weiß.