Preis der Literaturhäuser 2003

Bodo Hell erhält den Preis der Literaturhäuser

Bodo Hell wurde am 15. März 1943 in Salzburg geboren.

Jurybegründung: Bodo Hell – ein für viele noch und stets neu zu entdeckender Autor – erarbeitet seine Texte aus dem Material Sprache und thematisiert diese Sprachverarbeitung: in seiner Prosa, in radiophonen Texten (Hörspielen), in Essays, in Arbeiten für den Film und das (Musik-) Theater, in Lichtzeilen und (Foto-)Ausstellungen. Diese große Vielfalt, dieses interdisziplinäre Interesse, diese „Multimeisterschaft“ wird nur einmal im Jahr unterbrochen, wenn Bodo Hell als Senner im Gebirge lebt und dort seiner „Jugendtugend“ nachgeht, wie er seine besondere Beziehung zu den Bergen spielerisch nennt.

Der Preis der Literaturhäuser wird jährlich für das gelungene Zusammenspiel von Textqualität, Vortragsart, Ausführungen zum Text, Dramaturgie der Lesung (Textauswahl, Rekurs auf andere Künste, Einsatz anderer Medien) vergeben.
Bodo Hell ist ein Schriftsteller – vergleichbar mit Ernst Jandl, Gerhard Rühm oder H.C. Artmann -, dessen Texte oft erst durch ihre klanglich einnehmende Art und durch den konzentrierten Stil des Vortrags ihre größte Wirkung erreichen. Kritischer Sprachwitz, unterstützt und gelenkt vom Auftritt des Autors, seine Gestik und Mimik animieren über das Schmunzeln und Lachen hinaus zum Nachdenken, ja, fordern dieses heraus und fördern es zutage. Vortrag und Inhalt übertragen sich so in wunderbarer Weise auf das Publikum. Und dabei überrascht es immer wieder, welch starke Resonanz der Autor und seine Literatur bei unterschiedlichstem Publikum erzielen.

Helmut Heißenbüttel sprach im Zusammenhang mit Bodo Hells Buch „Stadtschrift“ 1983 von „einem neuen Entwurf von Literatur“. Das gilt heute wie vor zwanzig Jahren. Bodo Hell war und ist ein ständiger Wegbereiter für neue Formen der Literatur, unverzichtbar wie ein Meisterkoch in der Hexenküche der Wirklichkeiten und Möglichkeiten. Bodo Hell erzählt nichts, was nacherzählt werden könnte. „Das macht es ja alles so schwierig“, sagte einmal Ernst Jandl, „und zugleich so interessant, nämlich seine Texte zu lesen und über sie zu sprechen.“

Bodo Hell ist ein über Jahre und Jahrzehnte unermüdlicher und konsequent arbeitender Dichter, Künstler und Musiker. Seine Musikalität zeigt sich nicht nur im Orgel- und Maultrommelspiel, sondern in der Rhythmisierung seiner (Prosa-)Texte. Über seine Texte und den Vortrag (samt kritischer Reflexion) hinaus zeichnet er sich als multimedialer Autor in einer multimedialen Zeit aus, wobei er mit den Versatzstücken dieser Welt spielt, sie ständig bricht und hinterfragt. Bodo Hells Literatur – oft ein „Dickicht von Beobachtungen und Gedanken“ (Ernst Nef) – ist eine Literatur zum Zuhören.