WIR SIND HIER.22 – Festival für kulturelle Diversität

vom 18. bis 20. Februar 2022 im Literaturhaus Frankfurt und im Kulturforum Hanau

Das Literaturhaus Frankfurt veranstaltet das zweite »WIR SIND HIER.22 – Festival für kulturelle Diversität«. Fünfzehn Gäste aus Literatur, Journalismus und Politik diskutieren über den Stand und die Notwendigkeit rassismuskritischer Arbeit.

Zum ersten Jahrestag des rechtsextremen Anschlags von Hanau richtete das Literaturhaus Frankfurt 2021 das erste WIR SIND HIER. Festival für kulturelle Diversität aus. Nach dem großen Erfolg mit mehr als 6.000 Streaming-Zuschauer*innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum findet im Februar eine zweite Ausgabe des Festivals in Frankfurt und Hanau statt. Dieses Jahr erstmals hybrid und somit auch mit Saalpublikum, das im letzten Jahr aufgrund der pandemischen Lage nicht erlaubt war.

Konzept des Festivals ist es, Autor*innen einzuladen, die sich in ihrer Arbeit, in ihren Texten und Büchern ausdrücklich oder hintergründig mit Rassismus beschäftigen. Das sind Shida Bazyar, Asal Dardan, Aladin El-Mafaalani, Lena Gorelik, Dilek Güngör, Hasnain Kazim, Ozan Zakariya Keskinkılıç und Emilia Roig sowie die Kolumnistin Teresa Bücker. Ebenfalls werden im Literaturhaus zu Gast sein die Migrationsforscherin Aylin Karabulut und die Frankfurter Kulturpolitikerin Mirrianne Mahn. Außer ihrer herausragenden Arbeit und Expertise eint die Gäste, dass sie oft bereits aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Namens oder einer unterstellten Religionszugehörigkeit ausgegrenzt wurden oder Opfer von Gewalt geworden sind. Sie repräsentieren einen noch immer stark marginalisierten Teil der Bevölkerung, dessen Stimmen immer lauter werden.

Kuratiert wird WIR SIND HIER. erneut von den Festival-Initiator*innen, dem Literaturvermittler Benno Hennig von Lange vom Literaturhaus Frankfurt und der Verlagsgründerin und Eventkonzepterin Selma Wels.

Gespräche und Lesungen mit hochkarätigen Gästen
Wo steht Deutschland? Was wurde aus dem Traum vom Leben in Deutschland?

15 Gäste, 3 Abende im Literaturhaus Frankfurt, 1 Nachmittagsveranstaltung im Kulturforum Hanau. Alle Veranstaltungen werden im Livestream übertragen. Geleitet werden die vier Diskussionen von der Fernsehmoderatorin Dunja Hayali, der Politikwissenschaftlerin Hadija Haruna-Oelker, der Kritikerin Miryam Schellbach und der Journalistin Salwa Houmsi.

Festivalleiter Benno Hennig von Lange: »Bei WIR SIND HIER.22 geht es im Kern um diese Fragen: Wo steht Deutschland zwei Jahre nach Hanau? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Rassismus und Frauenfeindlichkeit? Welche Auswirkungen haben extremistische Anschläge auf die Literaturproduktion? Und: Wie steht es generationenübergreifend um den Traum vom Leben in Deutschland?«

»Die Ereignisse, Verluste und Wunden des 19. Februar 2020 bleiben«, so Literaturhausleiter Hauke Hückstädt. »Es kommt aber auch darauf an, etwas dagegenzusetzen. Hanau ist ja fortan nicht ausschließlich dieses Attentat, es ist eine lebendige Stadt, unsere Nachbarstadt. Wir wollen handeln. Unsere Werkzeuge sind die Worte, unser Sprechen, unsere Widerreden, unsere Geschichten. Dafür steht das Literaturhaus und dieses Festival mit seinem Ensemble. Wir sind eben hier. Und wir sind es zusammen. Das ist nicht verhandelbar.«

Veranstaltungen WIR SIND HIER.

18. Februar 2022, 19.30 Uhr
Politik, Gesellschaft, Literatur: Wir sind hier, wo steht Deutschland?
Mit Aladin El-Mafaalani, Hasnain Kazim und Mirrianne Mahn
Moderation: Dunja Hayali
Keynote: Aylin Karabulut
Literaturhaus Frankfurt am Main

19. Februar 2022, 19.30 Uhr
Intersektionalität: Die feministische Dimension
Mit Teresa Bücker und Emilia Roig
Moderation: Hadija Haruna-Oelker
Literaturhaus Frankfurt am Main

20. Februar 2022, 15.00 Uhr:
Schreiben im Hier: Schreiben nach Hanau
Mit Shida Bazyar und Lena Gorelik
Moderation: Miryam Schellbach
Kulturforum Hanau

20. Februar 2022, 19.30 Uhr:
German Dream: Wir sind die Erben
Mit Asal Dardan, Dilek Güngör und Ozan Zakariya Keskinkılıç
Moderation: Salwa Houmsi
Literaturhaus Frankfurt am Main 

Das vollständige Programm finden Sie hier zum Download bereitgestellt.

Tickets sind über den Onlineshop des Literaturhauses Frankfurt erhältlich:
Saaltickets zu 7,–/4,– Euro
Streamingtickets zu 5,– Euro
Streaming-Pass zu 10,– Euro:

Schirmherrinnen, Förderer und Partner

WIR SIND HIER. wird durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, das Bildungsdezernat, die Crespo Foundation, das Amt für multikulturelle Angelegenheiten sowie das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main gefördert und findet in Kooperation mit der Bildungsstätte Anne Frank und der DEXT-Fachstelle Hanau statt.

Zur besonderen Rolle der Literatur äußern sich die Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Dr. Ina Hartwig und die Bildungsdezernentin Sylvia Weber, die gemeinsam die Schirmherrschaft des Festivals übernommen haben:

»Rassismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit, einschließlich gewaltsamer Hasskriminalität, belasten unsere Gesellschaft. Der Anschlag in Hanau vor knapp zwei Jahren hat tiefe Spuren hinterlassen. Bei der Aufklärung der Tat ist besonders die Politik gefragt«, sagt Dr. Ina Hartwig. Und weiter: »Wenn es um die Erinnerung, das Verarbeiten und den gesellschaftlichen Dialog geht, nimmt jedoch auch die Literatur eine besondere Rolle ein. Ich bin stolz, dass das wichtige Festival WIR SIND HIER. 2021 in Frankfurt initiiert wurde und in diesem Jahr zum zweiten Mal eine Plattform bietet, um darüber zu sprechen, wie wir in einem Einwanderungsland wie Deutschland miteinander leben wollen.«

»Der 19. Februar 2020 hat uns tief erschüttert. Es war nicht ein Angriff >auf uns alle<, sondern ein Angriff auf Menschen, die als >anders< gelesen werden. Und es wurde klar: Der zunehmende Rassismus und Rechtsextremismus bleibt die größte Herausforderung für unsere Demokratie und verpflichtet uns als Politik und Gesellschaft zu handeln. Mit unserem Aktionsplan gegen Rassismus und Rechtsextremismus anerkennt die Stadt Frankfurt Rassismus als strukturelles Problem, das es zu bekämpfen gilt. Er schlägt Maßnahmen vor, die an Strukturen und Denkweisen arbeiten, die gegen Ausgrenzung, Hass und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wirken. Unser stadtRAUMfrankfurt als Begegnungsort ist ein Beispiel, und die nun etablierte Kooperation mit dem neuen Demokratiezentrum in Hanau ebenso. Ich freue mich, dass es den Initiator:innen des Festivals erneut gelungen ist, ein hochkarätiges Programm mit namhaften Autor:innen zusammenzustellen und damit die Erinnerung an den 19. Februar wachzuhalten. Wir alle sind in der Pflicht, dass so etwas nie wieder geschieht«, betont Bildungsdezernentin Sylvia Weber.

Pressemitteilung vom 27.1.2022