Chamissojahr 2009

Die amerikanische, englische oder französische Literatur kennt und schätzt seit langem Schriftsteller, die ursprünglich nicht aus ihrem Sprach- und Kulturkreis stammen. Im deutschsprachigen Raum verhielt sich das lange anders – auch weil die entsprechende Erfahrung und das Bewusstsein dafür fehlten. Inzwischen haben die großen Migrationsbewegungen und mit ihnen die Globalisierung jedoch auch innerhalb der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Werke hervorgebracht, die fremdartige Bilder, eigene Rhythmen, ungewohnte Tabus oder Tabuverletzungen integrieren. Heute nimmt die „Literatur der zwei Kulturen“ bereits einen festen Platz in der deutschsprachigen Literaturlandschaft ein.

Der Chamisso-Preis wird seit 25 Jahren an deutschsprachige Autorinnen und Autoren nicht-deutscher Muttersprache und Herkunft vergeben. Unter den Chamisso-Preisträgerinnen und Preisträgern finden sich etliche, die Wegbereiter dieser oft wenig zutreffend als „Migranten-, Nomaden- oder Exilliteratur“ bezeichneten Literatur waren, darunter Feridun Zaimoglu, Zsuzsanna Gahse, SAID und Galsan Tschinag. Die 25. Verleihung des Chamisso-Preises ist nun Anlass für die elf Häuser von literaturhaus.net, eine Reihe ehemaliger Preisträger nochmals in Lesungen, Diskussionen oder bei anderen Veranstaltungen vorzustellen.

Adelbert von Chamisso, der Namensgeber des Preises, immigrierte als junger Mann aus dem revolutionären Frankreich nach Preußen und in die deutsche Sprache. Seine Märchennovelle „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ gilt heute als Musterfall der deutschen Romantik. Auch die Werke seiner deutschsprachigen Nachfolger des 20. und 21. Jahrhunderts haben das Potenzial, Eingang in den Kanon der deutschen Literatur zu finden.

Im Chamisso-Jahr 2009 werden von März bis Dezember in den elf Literaturhäusern des Netzwerkes vielerlei Veranstaltungen – z. B. Lesungen in Literaturhäusern und Schulen oder Schreibwerkstätten mit Schülern – durchgeführt.

Das Chamisso-Jahr wird großzügig unterstützt von der Robert Bosch Stiftung.