Fürsprache & Widerworte – Internationales Literaturfestival Erich Fried Tage 2022

vom 30. März bis 3. April 2022 im Literaturhaus Wien

Unter dem Motto »Fürsprache & Widerworte« beschäftigt sich die 18. Ausgabe des Internationalen Literaturfestivals Erich Fried Tage vom 30. März bis 3. April 2022 mit der gesellschaftsverändernden Kraft von Literatur. Eingeladen sind 20 Autor*innen aus Europa, Übersee und Österreich, die sich in Lesungen, Vorträgen und Gesprächen mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen auseinandersetzen. Die Veranstaltungen finden im Literaturhaus Wien statt und sind auch als Livestream zu erleben. Auf dem Programm stehen ein Festvortrag, neun Buch- und Comic-Präsentationen, der Großteil davon Österreich-Premieren, ein umfangreicher Lyrik-Schwerpunkt, ein Konzert und zwei Preisverleihungen.

DAS PROGRAMM
Festvortrag – Herta Müller »Vor der Tür saß mal der Zufall
«
Eröffnet wird das Festival durch Stadträtin Veronica Kaup-Hasler.

Die eigens für die Erich Fried Tage verfasste Festrede hält die Nobelpreisträgerin Herta Müller. Den Titel »Vor der Tür saß mal der Zufall« hat sie einer ihrer hochpoetischen Collagen entlehnt. 

Buch- und Comic-Premieren
Guillermo Arriaga (Mexiko) – »Das Feuer retten« (Klett-Cotta, 2022)

Der international gefeierte mexikanische Schriftsteller, Drehbuchautor (»Amores Perros«, »21 Gramm«, »Babel«) und Filmregisseur kommt erstmals nach Österreich. Auch in seinem neuen, kunstvoll gebauten Roman »Das Feuer retten« prangert Arriaga wortgewaltig die soziale Ungerechtigkeit in seiner Heimat an und beschwört die enorme Sprengkraft zwischen Arm und Reich.

László Krasznahorkai (Ungarn) – »Herscht 07769« (S. Fischer, 2021)

Der mit dem International Man Booker Prize und zuletzt 2021 mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnete Autor legt mit »Herscht 07769« sein stilistisch radikalstes Werk vor, eine faszinierende Dystopie, die sich über 400 Seiten in einem endlosen Satz aufspannt.

Phil Klay (USA) – »Den Sturm ernten« (Suhrkamp, 2021)

Der u. a. mit dem National Book Award ausgezeichnete Autor hat mit »Den Sturm ernten« ein  Schlüsselwerk über die Zerstörungskraft der modernen globalisierten Kriegsführung verfasst – »ein hochbrisantes politisches, ja weltpolitisches Werk« (SWR Bestenliste)

Sasha Filipenko (Belarus) – »Die Jagd« (Diogenes, 2022)
Der weißrussische Autor erzählt die Geschichte des idealistischen Journalisten Anton Quint, der sich mit einem Oligarchen anlegt. »Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich zeigen wollte, dass Mord nicht die einzige Art ist, auf Journalisten Druck auszuüben.« (Filipenko)

Deb Olin Unferth (USA) – »Happy Green Family« (Wagenbach, 2022)

Eine akribische Betriebsprüferin, eine desillusionierte Halbwaise, 421 vegane Extremisten, 60 Laster und 900.000 mürrische Legehennen, die auf ihre Befreiung warten. Die texanische Autorin, die erstmals nach Europa kommt, wurde für ihren schrägen Tierschutz-Roman vom US-amerikanischen Feuilleton als literarische Entdeckung gefeiert.

Caleb Azumah Nelson (Großbritannien, Ghana) – »Freischwimmen« (Kampa, 2021)
Vor dem Hintergrund der multikulturellen Metropole London erzählt der britische Autor mit ghanaischen Wurzeln die Liebesgeschichte zwischen einem Fotografen und einer Tänzerin, die schon bald von Rassismus überschattet wird – »ein unvergessliches Debüt« (New York Times).

Nate Powell (USA) – »Save It for Later« (Carlsen, 2021)

Der als erster Comiczeichner (für die Trilogie »March«) mit dem National Book Award ausgezeichnete Künstler erzählt über seine Erfahrungen als Vater von zwei jungen Töchtern während der Amtszeit von Donald Trump, und darüber, wie er ihnen die zunehmende Radikalisierung in den USA erklären soll.

Jennifer Daniel (Deutschland) – »Das Gutachten« (Carlsen, 2022) & »Earth Unplugged« (Jaja, 2014)

»Das Gutachten« setzt im Sommer 1977 ein: Eine junge RAF-Sympathisantin stirbt bei einem Autounfall. Die Suche nach dem Schuldigen führt einen kleinen Angestellten der Rechtsmedizin in die eigene verdrängte Vergangenheit. »Earth Unplugged« (Jennifer Daniels prämierte Diplomarbeit) geht der Frage nach, was geschieht, wenn auf der Erde plötzlich der Strom ausfällt.

Lyrikschwerpunkt

Max Czollek (Deutschland), Autor, Publizist und Verfechter einer radikal pluralistischen Gesellschaft, hat als Kurator des Lyrikschwerpunkts vier Lyriker/innen mit unterschiedlichen literarischen Positionen eingeladen: Ricardo Domeneck (Brasilien), Barbara Juch (Österreich), Adi Keissar (Israel) und Ronya Othmann (Deutschland) geben Einblicke in ihre poetischen Programme und die Aktualität zeitgenössischer Lyrik.

Die Autorin Teresa Präauer (Österreich) spricht mit Max Czollek sowie mit Ricardo Domeneck & Ronya Othmann über literarisches Engagement und politische Lyrik.

Konzert

Der österreichische Liedermacher und Autor Ernst Molden präsentiert ein Best-of-Programm seiner meist im Wiener Dialekt geschriebenen Songs: angefangen bei Balladen bis hin zu Blues- und Rock.

Preisverleihungen

Der deutsche Autor Frank Witzel (»Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969«, Matthes und Seitz 2015) wird mit dem Erich Fried Preis 2021 ausgezeichnet. Die Laudatio hält der alleinige Juror Ingo Schulze.

Als Gewinnerinnen des zum 4. Mal österreichweit ausgeschriebenen Schüler/innen-Literaturwettbewerbs, der unter dem Motto »Eine Stadt von morgen« stand, hat eine Fachjury drei Schülerinnen, alle aus Salzburg, ermittelt: Judith Wald, Sarah Burghart und Esther Neuhofer.

Das Detailprogramm finden Sie auf der Festival-Homepage erichfriedtage.com.