»FRAGILE. Europäische Korrespondenzen«

Ein mehrmonatiger Briefwechsel geführt von 28 europäischen Tandempartnern

Der »Versuch Europa«, der Versuch ein nationenübergreifendes Gemeinschaftsmodell zu imaginieren und dieses politisch und kulturell zu stabilisieren, bleibt auch weiterhin eine Anordnung mit politischer und kultureller Brisanz: die Flüchtlingsströme und das Ringen um die Zuwanderungspolitik in ganz Europa, die ausgrenzenden und islamfeindlichen Pegida-Bewegungen in deutschen Städten und die Abstimmung über den Verbleib in der EU in Großbritannien sind nur einige Beispiele des 21. Jahrhunderts, die die Fragilität und das besondere Unterfangen des Projekts Europa zum Ausdruck bringen. Hier setzt das künstlerisch-literarische Vorhaben des Netzwerks der deutschsprachigen Literaturhäuser an.

FRAGILE

Die Wortbedeutung umfasst sowohl Kostbarkeiten, Wertvolles, Schützenswertes als auch die Gefahr der Zerstörung. Unter dem Titel »FRAGILE. Europäische Korrespondenzen« greifen Autoren in einem mehrmonatigen Austausch aus den Ländern Europas diese doppelte Bedeutung auf: Sie treten in einen Briefwechsel mit einem Partner ihrer Wahl zu aktuellen gesellschaftlichen, kulturellen oder politischen Themen, die Ihnen kostbar und wertvoll erscheinen und die ihrer Meinung nach jedoch zugleich auf dem Prüfstand stehen, deren Zerstörung oder Infragestellung droht. Viele Autoren und Autorinnen leben in anderen als ihren Geburtsländern, sie reisen viel und sind mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen europäischen Ländern im Kontakt, sie sind Seismographen der Stimmungen und Diskussionen, die Europa beschäftigen. Die Doppelbedeutung des Wortes FRAGILE bildet dabei die Klammer des Projekts; die jeweils inhaltliche und thematische Fokussierung ist den Briefwechslern jedoch bewusst freigestellt. Die Fragen Themen können sich aus dem Blick zurück ins 20. Jahrhundert und den Fragen nach Europas Gedächtnis ebenso entwickeln wie aus Gegenwartsanalysen oder aber Zukunftsskizzen und utopischen Entwürfen einer modifizierten »Versuchsanordnung Europa«.

Die Entscheidung für die Briefform ist eine bewusste, spiegelt sich darin doch das Prozesshafte des Austauschs. Das entschleunigte Medium setzt einen reibenden Kontrapunkt zu den schnell formulierten Gedanken der digitalen Öffentlichkeit und will die Autoren als Denker und Intellektuelle abbilden.

Die korrespondierenden Tandems sind keine, die von Anfang an gesetzt sind. Jedes der Literaturhäuser wählte nur eine Autorin oder einen Autoren aus, der sich seinen Dialogpartner und die Auslegung von Fragilität erwählte, die sie über den fünfmonatigen Briefwechsel beschäftigen wird.

Die Briefpartner in diesem großzügig von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Projekt sind Irena Brežná und Anna Schor-Tschudnowskaja, Katharina Schultens und Cristina Ali Farah, Carmen-Francesca Banciu, und Mirela Ivanova, Jan Wagner und Nikola Madzirov, Martin Pollack und Yevgenia Belorusets, Annika Reich und Zeruya Shalev, Ingo Schulze und László Györi, Georg Klein und Viktor Martinowitsch, Carlo Ihde und Dana Grigorcea, Karl-Markus Gauß und Dževad Karahasan, Björn Bicker und Ece Temelkuran, Kathrin Röggla und A.L. Kennedy, Antje Rávic Strubel und Lena Andersson, Ruth Schweikert und Cécile Wajsbrot. Sie stehen bis in den Herbst hinein miteinander im Kontakt und werden ihre Briefe und die Erfahrungen mit den Briefwechseln im Frühjahr 2017 in einer Veranstaltungsreihe in den Literaturhäusern des Netzwerks vorstellen.

Im Wallstein Verlag ist unter dem Titel »Interessante Zeiten, könnte man sagen. Fragile. Europäische Korrespondenzen« als Band 265 der Reihe »die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik« eine Publikation mit allen 14 Briefwechseln erschienen.

Termine:

23. März 2017, 13.00 – 14.00 Uhr, im Forum Literatur der Halle 4 auf der Leipziger Buchmesse
Ein Gespräch über Europa, mit Viktor Martinowitsch (Belarus), Georg Klein (Deutschland) und Annika Reich (Deutschland), Moderation: Thomas Böhm

31. März 2017, Literaturhaus Wiesbaden
Lena Andersson und Antje Rávic Strubel

5. April 2017, Literarisches Zentrum Göttingen
Nikola Madzirov und Jan Wagner

6. April 2017, Literaturhaus Berlin
Nikola Madzirov und Jan Wagner

7. April 2017, Literaturhaus Berlin
László Györi und Ingo Schulze

20. April 2017, Literaturhaus Graz
Martin Pollack und Yevgenia Belorusets

28. April 2017, Literaturhaus Stuttgart
Björn Bicker und Ece Temelkuran

3. Mai 2017, Literaturhaus Köln
Georg Klein und Viktor Martinowitsch

4. Mai 2017, Literaturhaus Leipzig
László Györi und Ingo Schulze

5. Mai 2017, Literaturhaus Salzburg
Karl-Markus Gauß und Dževad Karahasan

10. Mai 2017, Literaturhaus Zürich
Ruth Schweikert und Cécile Wajsbrot

20. Mai 2017, Literaturhaus Basel
Thementag »Fragile« mit u.a. Irena Brezna, László Györi, Anna Schor-Tschudnowskaja und Cécile Wajsbrot

6. Juni 2017, Literarisches Colloquium Berlin
Annika Reich und Zeruya Shalev

7. Juni 2017, Literaturhaus Hamburg
Annika Reich und Zeruya Shalev

8. Juni 2017, Literaturhaus Rostock
Annika Reich und Zeruya Shalev

9. Juni 2017, Literaturhaus Stuttgart
Annika Reich und Zeruya Shalev

27. Juni 2017, Literarisches Colloquium Berlin
Cristina Ali Farah und Katharina Schultens

Herbst 2017, Literaturhaus Rostock
Dana Grigorcea und Carlo Ihde

Herbst 2017, Literaturhaus Wien
A.L. Kennedy und Kathrin Röggla

Weitere Informationen zum Projekt »FRAGILE. Europäische Korrespondenzen« finden Sie unter: fragile-europe.net

Leipziger Buchmesse 23. März 2017: Ein Gespräch über Europa, mit Viktor Martinowitsch (Belarus) und Annika Reich (Deutschland), Moderation: Thomas Böhm © Reiner Mnich

 

Leipziger Buchmesse 23. März 2017: Ein Gespräch über Europa, mit Viktor Martinowitsch (Belarus) und Annika Reich (Deutschland), Moderation: Thomas Böhm © Reiner Mnich