Willkommen bei literaturhaus.net!

Im Netzwerk literaturhaus.net entwickeln und veranstalten 15 Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit verschiedenen Partnern internationale Projekte wie Länderschwerpunkte, bilaterale Stadtschreiberprojekte, Plakataktionen und den Preis der Literaturhäuser. Auf den folgenden Seiten informieren wir Sie über aktuelle Projekte und zeigen die Veranstaltungsvielfalt der Literaturhäuser.

Netzwerk der Literaturhäuser

Basel + Berlin + FrankfurtGöttingen + Halle + Hamburg + Köln + Leipzig + München + Rostock + Salzburg + Stuttgart + Wien + Wiesbaden + Zürich

Souvenir – Literaturen und Andenken aus Mittel- und Osteuropa

Souvenir – Literaturen und Andenken aus Mittel- und Osteuropa

Eine neue Veranstaltungsreihe des Netzwerks der Literaturhäuser Lesen
Preis der Literaturhäuser 2022

Preis der Literaturhäuser 2022

Das Netzwerk der Literaturhäuser verleiht den Preis der Literaturhäuser 2022 an Sasha Marianna Salzmann Lesen

Der November in den Literaturhäusern

Liebes Publikum,

das Bücherlesen wird oft mit dem Mechanismus der Weltflucht gleichgesetzt und das weiß es gewiss auch zu leisten. Doch Autorinnen und Autoren, Buchrezipienten und Veranstalter sind sich auch seinem gegenteiligen Vermögen bewusst. Sie finden in der Literatur gerade die Schärfung des Blicks statt eines Wegblendens realisiert, die Reflektion über, das Bekanntwerden von Zuständen und Missständen sowie eine Annäherung von Kulturräumen ermöglicht. So setzt sich das Programm dieses Monats auch ganz offenkundig mit den Kriegserschütterungen und weltpolitischen Zerwürfnissen unserer Zeit auseinander.

In der vom Literaturhaus Stuttgart initiierten und vom Netzwerk der Literaturhäuser mit ausgestalteten Reihe »Souvenir« hören wir Literatinnen und Literaten aus Mittel- und Osteuropa über ihre kulturelle Prägung und ihre Poetik sprechen. Als materialisierte Erinnerung führen sie jeweils ein Andenken mit sich, was ihren literarisch-geografischen Raum zu entdecken und zu verstehen hilft. Die Veranstaltungsreihe wurde im Oktober 2022 begonnen und wird bis Ende 2023 tragen. Im November nun begrüßt in diesem Kontext das Literarische Colloquium Berlin Alhierd Bacharevič, Julia Cimafiejeva und Dmitri Strozew zu Lesung und Gespräch auf der Bühne. Mit der Lyrik bzw. Prosa der drei Exilautor*innen entsteht ein belarussischer Abend, der die brutale Niederschlagung der friedlichen Proteste aus 2020 gegen das machthabende Regime Lukaschenkos vergegenwärtigt. Im Literaturhaus Zürich begegnen sich die nordmazedonische Autorin Rumena Bužarovska und der bosnische Autor Faruk Šehić, die in ihren Arbeiten Kriegstraumata, Fragen der Identität und die Hoffnung auf eine offene, diverse Gesellschaft behandeln.

Mit seinem neuen Roman »Radio Nacht« sendet der ukrainische Autor Juri Andruchowytsch wie sein Protagonist Musik, Poesie und Geschichten in die sich verfinsternde Welt. Dies geschieht laut taz mit einer beeindruckend erzählerischen Raffinesse und enormer Verweisfülle. Seinen mit märchenhaften Assoziationen gespickten, eminent aktuellen Roman stellt er im Literaturhaus Salzburg vor.

»Was ist heute los in der Republik Moldau?«, fragt das Literaturhaus Leipzig in seiner Reihe »Gespräche über den Osten Europas«. Ivan Pilchin und Ernest Wichner erörtern, welchen Einflüssen sich die Republik Moldau öffnet, wo sie seit Juni 2022 als offizielle EU-Beitrittskandidatin geführt ist und mit der Region Transnistrien gleichzeitig Russland zugewandt bleibt. Was bedeutet dies für das Land selbst und was bedeutet es für Europa? Welche Debatten finden statt? Was bestimmt den Alltag? Worüber berichtet die Presse? Welche Literatur entsteht? Moderiert wird der Abend von Anja Kapunkt.

Im Literaturhaus München treffen Herta Müller und Andrej Kurkow zusammen, in deren literarischen Werken sich zeigt, wie unterschiedlich der Ton für ein und dieselbe Erfahrung ausfallen kann und wie er doch in beiden Fällen politisches Engagement meint. Überschrieben ist der Abend mit »Jede Diktatur stiehlt einem das Leben.«, einer Erkenntnis, die sich auch auf die derzeitigen Geschehnisse in Iran übertragen lässt, wo die Menschen im Kampf für ihre Freiheit unermüdlich protestierend auf die Straßen gehen. Im Literaturhaus Hamburg findet mit »Stand Up With Iran!« eine Solidaritätslesung statt. Die Veranstaltung lässt sich im kostenfreien Livestream auf dem YouTube-Kanal des Literaturhauses mitverfolgen.

Dass sich jedoch auch die Demokratien Erschütterungen und Herausforderungen zu stellen haben, illustriert beispielsweise der Gesprächsabend von Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey. Im Literaturhaus Basel präsentieren sie ihr Buch »Gekränkte Freiheit – Aspekte des libertären Autoritarismus«. Anhand von Fallstudien führen sie vor, welche Folgen die Freiheitsversprechen der Spätmoderne aufwerfen, nach denen der Einzelne mündig und hochgradig eigenverantwortlich sein soll und sich gleichzeitig in einer immer komplexer werdenden Welt machtlos fühlt. Ihre These: Diese Reibung erschafft einen neuen Protesttypus, der mit seinem Dauerdagegensein in eine demokratiefeindliche Haltung kippt. Literatur und die Frage nach sozialer Gerechtigkeit setzt das Literaturhaus Wien zueinander ins Verhältnis, wenn die Autorinnen Bettina Gärtner, Petra Ganglbauer und Sandra Gugić bei einem Gesprächsabend ihre Texte und ihre Positionen zum Thema Geschlechterdiskriminierung vorstellen.

Darüber hinaus laden wir sie zur Lektüre von Helene Bukowskis Roman »Die Kriegerin« ein. Die Autorin ist im Rahmen der LiteraTOUR Nord im Literaturhaus Rostock zu Gast. Nava Ebrahimis Roman »Sechzehn Wörter« ist in diesem Jahr als »Buch für die Stadt« Köln ausgerufen worden. Vertiefen Sie sich mit uns in dieses poetische, kluge Buch, aus dem die Autorin in Köln auch selbst vorlesen wird. Erleben Sie den Langen Thomas-Brasch-Abend im Literaturhaus Halle, die dänische Autorin Helle Helle mit ihrem jüngsten Roman »Sie und Bob« im Literaturhaus Frankfurt und Nils Minkmar mit seinem Buch »Montaignes Katze« im Literaturhaus Villa Clementine Wiesbaden.

Einen anregenden, hoffungsvollen November wünschen Ihnen
Ihre Literaturhäuser

Der Fernsehsender ARTE präsentiert Literatur im Dezember.