Kaksinkertainen/Dubbelt/Doppelt

Finnland-Schwerpunkt 2009–2010

Die elf in literaturhaus.net verbundenen Literaturhäuser und FILI, das Zentrum für finnische Literatur in Helsinki, haben für 2009 und 2010 eine mehrstufige Kooperation vereinbart, welche die finnische Literatur der Gegenwart in den Fokus rückt. Ziel war es, finnische Schriftsteller, deutschsprachige Übersetzer, Verleger und Lektoren miteinander in Kontakt zu bringen. Die im Ausland noch zu entdeckende finnische Nationalliteratur soll auf diesem Wege einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.

Unabdingbare Voraussetzung für die internationale Rezeption von Literatur ist das Vorhandensein einer ausreichenden Zahl von Übersetzungen. Zum Projektauftakt fand daher am 4. März 2009 im Münchner Literaturhaus die Finnische Verlegermesse statt, eine eintägige Begegnung zwischen finnischen und deutschen Verlagsrepräsentanten.

Im Frühjahr und Sommer 2009 folgte ein Austausch zwischen finnischen und deutschsprachigen Schriftstellern im Rahmen des gemeinsam mit dem Goethe-Institut realisierten Stadtschreiber-Projekts. Auf der Frankfurter Buchmesse wurden die finnischen und deutschen Autoren dieses Austauschs ihre Texte und Erfahrungen vorgestellt.


Stadtschreiber 2009
zwischen Helsinki, Tampere, München und Rostock

stadtschreiber2009

Die Stadtschreiber: Thomas Lang, Ariane Grundies, Hannele Mikaela Taivassalo und Joel Haahtela

Das Netzwerk der Literaturhäuser literaturhaus.net hat innerhalb seines Projektschwerpunkts zur finnischen Literatur 2009 und 2010 wieder gemeinsam mit dem Goethe-Institut und FILI, der Stiftung zur Förderung der Literatur aus Finnland und Partnerin des gesamten Schwerpunkts, ein Stadtschreiberprojekt initiiert.

Zwei Autorinnen und Autoren aus Finnland und Deutschland schreiben aus der jeweils anderen Welt: Vom 3. bis 19. Juni 2009 erzählten zwei deutsche Autoren in einem Online-Tagebuch auf den Webseiten des Goethe-Instituts „Meet in Finland“ von ihren Eindrücken in Finnland: Thomas Lang, vom Literaturhaus München entsendet, war vom 30.5. bis 19. Juni in Tampere. Ariane Grundies aus Stralsund und vom Literaturhaus Rostock benannt, lebte vom 3. bis 16. Juni in Helsinki als Stadtschreiberin. Sie setzen ihr Tagebuch auch über die Reise hinaus fort.

Im Herbst 2009 werden zwei Finnen von Deutschland aus schreiben. Vom 5. Oktober bis 16. Oktober war der finnische Schriftsteller Joel Haahtela (finnisch) als Stadtschreiber in München. Die finnlandschwedische Autorin Hannele Mikaela Taivassalo ging vom 29. September bis 13. Oktober als Stadtschreiberin nach Rostock.


Finnland besucht die Literaturhäuser im April 2010

Der Titel Kaksinkertainen/Dubbelt/Doppelt verrät eine Besonderheit der finnischen Literatur: sie wird in zwei Sprachen geschrieben, in Finnisch und Schwedisch. Aber es steckt auch der Hinweis auf einen lebendigen Austausch dahinter, denn viele Verlage in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlichen Bücher finnischer Autoren. Für den Transfer finnischer Literatur über die Landesgrenzen hinaus ist kein Sprachraum wichtiger als der deutsche.

Kaksinkertainen/Dubbelt/Doppelt präsentiert bekannte und neue Namen: das gesamte Spektrum der aktuellen finnischen Literatur, vertreten durch viele der wichtigsten Autoren. Alle literarischen Gattungen sind präsent: Roman, Krimi und Kinderbuch, aber auch Lyrik und Comic.

Eine literarische Besonderheit bringt M.A. Numminen mit: Seine Vertonung der Briefe von Martin Heidegger und Hanna Ahrendt wird zum Auftakt der Veranstaltung in Berlin Weltpremiere haben und anschließend in weiteren Literaturhäusern zu hören sein.

Finnland mit seinen fünf Millionen Einwohnern pflegt eine feine und vielfältige Buchkultur. Zwar nimmt man in den High-Tech-Standorten zwischen Helsinki und Oulu für sich in Anspruch, Vorreiter in Sachen papierfreier Datenaustausch zu sein, aber dem gedruckten Wort wird weiterhin großer Wert beigemessen. Und das bedeutet: die Literaturlandschaft blüht. Kein Wunder, dass die Frankfurter Buchmesse beschlossen hat, Finnland im Jahr 2014 als Gastland einzuladen. Das Netzwerk der Literaturhäuser bietet mehr als nur einen Vorgeschmack. Möglich gemacht hat dies ein starker Partner: FILI (Finnish Literature Exchange), die Institution, die den Transfer finnischer Literatur ins Ausland fördert.

Kaksinkertainen/Dubbelt/Doppelt bedeutet eine Zusammenarbeit, die für gute Erfahrungen mit der Literatur Finnlands und ihrer Vermittler auf beiden Seiten, vor allem mit finnischen und deutschsprachigen Verlagen und mit Übersetzern, gesorgt hat. Unser Dank gilt allen, die mitgewirkt haben, nicht zuletzt unserem Medienpartner ARTE, dem Finnland-Institut in Berlin, dem Finnischen Außenministerium sowie den Finnischen Botschaften in Berlin, Wien und Bern.

Wir freuen uns, die vitale Buchkultur Finnlands in den Literaturhäusern vorzustellen und alte und neue Leserkreise anzuziehen. Denn auch so kann man Kaksinkertainen/Dubbelt/Doppelt verstehen: Wer liest, lebt zweifach.

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