Literaturhaus Berlin

Eine bewegte Geschichte hat das Berliner Literaturhaus. Die 1889 erbaute Villa war nicht nur Volksküche, Reservelazarett und Bordell, sondern auch schon früh Schauplatz literarischer Veranstaltungen. Zu den Exilanten, die sich kurz nach der Russischen Revolution im Haus im so genannten „Charlottengrad“ trafen, zählte auch der Romancier Vladimir Nabokov. In den 30er Jahren versammelten sich bei den Abenden der „Rabenpresse“ Größen des Expressionismus wie Oskar Loerke, Max Herrmann-Neiße und Paul Zech.

1986 wurde das Haus im Besitz des Landes Berlin dem Trägerverein Literaturhaus Berlin zur Nutzung als erstes deutsches Literaturhaus überlassen. Ein Förderverein unterstützte von Anfang an ausgewählte Projekte. Neben Themen wie der literarischen Moderne und aktueller internationaler Literatur kristallisierte sich aufgrund der Insellage der Stadt zwischen Ost und West auch das Thema zeitgeschichtliche Konflikte als Schwerpunkt heraus. Der Bezug in Richtung Mittel- und Osteuropa ist nach wie vor lebendig. Jedes Jahr organisiert das Literaturhaus Berlin zusammen mit anderen Kultur- und Medienpartnern das „Internationale Poesiefestival Oskar Pastior“ im rumänischen Sibiu/Hermannstadt. Als Hauptstadt-Institution kooperiert das Literaturhaus mit den großen Berliner Stiftungen und den Kulturabteilungen der Botschaften.

Regelmäßig finden Ausstellungen zur Literatur, sowohl Eigenproduktionen als auch Übernahmen, statt. Der seit Mitte der 70er Jahre bestehende Walter-Serner-Preis wird alljährlich gemeinsam mit dem Kulturradio des RBB verliehen. In der Edition „Texte aus dem Literaturhaus Berlin“ werden Theaterstücke, Hörspiele, Texteditionen und die Kataloge zu den im Haus durchgeführten Ausstellungen herausgegeben.

Das Café-Restaurant Wintergarten mit großem Garten und die Buchhandlung Kohlhaas & Company runden das Angebot des Literaturhauses ab.


wichnerErnest Wichner, geboren 1952 in Guttenbrunn (Banat/Rumänien), lebt seit 1975 in Deutschland. Studium der Germanistik und Politologie an der Freien Universität Berlin. Autor, Literaturkritiker, Übersetzer aus dem Rumänischen (M. Blecher, Norman Manea, Dumitru Tsepeneag, Ana Blandiana, Carmen Francesca Banciu, Stefan Banulescu, Daniel Banulescu und Nora Iuga), von 1988 bis 2003 stellvertretender Leiter des Literaturhauses Berlin, seit März 2003 dessen Leiter.

Publikationen: Steinsuppe. Gedichte. Frankfurt/M. 1988; Alte Bilder. Geschichten. Heidelberg 2001; Die Einzahl der Wolken. Gedichte (rum./dt.). Bukarest 2003; Rückseite der Gesten. Gedichte. Lüneburg 2003.

Herausgebertätigkeiten u.a.: Jetzt kann man schreiben, was man will. Werkausgabe Oskar Pastior, Bd. 2. München/Wien 2003; Anthologien, u.a.: Das Land am Nebentisch. Leipzig 1993 sowie diverse Ausstellungsbücher, gemeinsam mit Herbert Wiesner.

Foto: Isolde Ohlbaum