Die erfrischend spielerische Lyrik Julia Trompeters

literaturhaus.net empfiehlt Lyrik / März 2016

Madita Oeming vom Literarischen Zentrum Göttingen genießt Julia Trompeters lyrischen Bewegungen, die der Schöffling Verlag in Leinen gekleidet publiziert:

»Julia Trompeter schafft mit Zum Begreifen nah (Schöffling 2016) einen inhaltlich wie formell erfrischend ungezwungenen Lyrikband. Auf 109 Seiten reichen in sechs Teilen knapp 70 Gedichte von 5-zeilig bis 6-strophig; springen mühe- und meist reimlos zwischen Anglizismen und klassischem Duktus hin und her; spielen mit Typographie, bis sie zu konkreter Poesie werden; zitieren Lacan, Jandl und Tom Waits. Es herrscht in ihnen eine gnadenlose Demokratie der zum Begreifen nahen Gegenstände, bei der Fußball auf Augenhöhe mit Ophelia steht, die Katharsis mit dem Zwölffingerdarm, Kirchenmusik mit Tocotronic, Bochum mit Berlin.

Zwischen dem >lispelnden Meer< und dem >analysierten Brautstrauß< wird es sprachlich nie langweilig; erst recht nicht, wenn der >Schritthmus< stets wechselt, man sich >Treibhausgedanken< hingibt, zu >mayröckern< beginnt und alles aus der >Haifischperspektive< bestaunt. Eines der lyrischen Ichs definiert Poesie als >die Beschreibung von etwas mit anderen Worten, die sich in der Kombination zueinander verändern und dadurch lesbar werden und lebbar< – genau das gelingt Trompeter hier Gedicht für Gedicht. Spätestens, wenn die Markise mit einem lauten >O oo O OO o Oo Ooo o O< ausfährt, muss man dieses Buch einfach lieben. Um es mit einer seiner eigenen Wortschöpfungen zu beschreiben: es ist >granatensanft< .

Im Juni 2016 wird Trompeter beim »Poetree«, Göttingens stadteigenem Open-Air-Lyrikfestival, zusammen mit Xaver Römer mit ihren >Sprechduetten< auftreten.«