Sprechende Bilder – 9. Hamburger Graphic Novel Tage

Ein Festival des Literaturhauses Hamburg vom 22. bis 25. März 2021

Die 9. Hamburger Grahic Novel Tage werden kuratiert von Andreas Platthaus und bringen an vier Abenden internationale und deutsche Comickünstler*innen miteinander ins Gespräch.

Montag, 22. März, 19.00 Uhr
Dorothée de Monfreid und Anke Kuhl
Großmeisterinnen nicht nur für kleine Leser

Den Auftakt machen Anke Kuhl aus Frankfurt am Main und Dorothée de Monfreid aus Frankreich. Mit ihrem Episodenband »Manno!« (Klett Kinderbuch) um die Erlebnisse von zwei jungen Schwestern hat Anke Kuhl den Berthold-Leibinger-Comicbuchpreis gewonnen, die höchstdotierte deutsche Comicauszeichnung. Sie ist aber auch eine erfolgreiche Illustratorin, die der Frankfurter Ateliergemeinschaft »Labor« angehört. Nicht nur die Liebe zum von Comic-Elementen stark beeinflussten Bilderbuch verbindet Anke Kuhl mit Dorothée de Monfreid, die in Frankreich auf diesem Feld zu den beliebtesten Autorinnen zählt und mittlerweile auch in Deutschland viel übersetzt worden ist, zum Beispiel ihr Band »Die Hundebande in Paris« (Reprodukt; Übersetzung: Ulrich Pröfrock, Handlettering von Dirk Rehm). Die beiden Zeichnerinnen sind stilistisch jeweils unverwechselbar, vor allem aber besitzen beide einen unverwechselbaren Humor.

Moderation: Andreas Platthaus
Dolmetscher: Didier Gammelin

Dienstag, 23. März, 19.00 Uhr
Typex und Jakob Hinrichs
Comics über Kunst sind selbst eine

Am zweiten Abend kommt Typex aus den Niederlanden. Mit seiner Rembrandt-Lebensgeschichte machte er in der ganzen Welt Furore. Wer aber glaubte, diese Künstlergeschichte hätte schon die Grenzen der fiktionalen Comicbiografie ausgelotet, dem bewies Typex mit seinem noch umfangreicheren Band über Andy Warhol kürzlich das Gegenteil »Andy – A Factual Fairytale« (Carlsen; Übersetzung: Cornelia Holfelder-von der Tann). Mit Jakob Hinrichs trifft er im Literaturhaus auf einen Berliner Zeichner, der sich in seinen Comics erzählerisch und stilistisch genauso innovativ mit bedeutenden Kunstwerken beschäftigt, allerdings vor allem literarischen: Arthur Schnitzlers »Traumnovelle« (Edition Büchergilde) setzte Hinrichs ebenso beeindruckend in Bilder wie Hans Falladas »Der Trinker« (Aufbau).

Moderation: Andreas Platthaus
Dolmetscher: Harrie Claessen

Mittwoch, 24. März, 19.00 Uhr
Nicolas Mahler, Jaroslav Rudiš und Tina Brenneisen
Inhaltliche Vielfalt als Lustprinzip

Am Mittwoch tritt die zweite Leibinger-Preisträgerin im Rahmen unserer diesjährigen Gespräche auf: Tina Brenneisen hat in ihrem prämierten Band »Das Licht, das Schatten leert« (Edition Moderne) tief bewegend von einem Kindstod vor der Geburt erzählt – und dessen Folgen für die Eltern. Das Schaffen der schon lange in der unabhängigen Berliner Comicszene aktiven Zeichnerin umfasst aber auch phantastische und sozialkritische Stoffe. Diese inhaltliche Vielfalt verbindet sie mit dem österreichischen Comiczeichner Nicolas Mahler, der schon einmal bei den Graphic Novel Tagen zu Gast war. Diesmal kommt er gemeinsam mit dem tschechischen Schriftsteller Jaroslav Rudiš, denn beide zusammen haben den Comicband »Nachtgestalten« geschaffen, der Ende Februar bei Luchterhand erscheint und damit in einem Literaturverlag.

Moderation: Andreas Platthaus

Donnerstag, 25. März, 19.00 Uhr
Rutu Modan und Max Baitinger
Unbedingter Stil- und Stilisierungswillen

Zum Abschluss treten die Israelin Rutu Modan, eine der faszinierendsten Comicautorinnen unserer Zeit, und Max Baitinger, mittlerweile ein Star des deutschen Comics, auf. Seit der psychologischen Erzählung »Blutspuren« 2006 über Attentate in ihrer Heimat hat Rutu Modan 2013 »Das Erbe« publiziert und nun ganz neu »Tunnel« (Carlsen; Übersetzung: Markus Lemke): eine ebenso komische wie beklemmende Farce über den Nahostkonflikt am Beispiel archäologischer Grabungen. Mit seinem noch im Entstehen begriffenen Comic »Sibylla« ist Max Baitinger der dritte Leibinger-Preisträger bei diesen Graphic Novel Tagen. Er setzt in seinen Geschichten wie Rutu Modan auf eine starke Vereinfachung der Linie, um den konfliktträchtigen Stoffen einen Anschein kindgerechter Harmlosigkeit zu verleihen. Der resultierende Stil- und Stilisierungswillen ist bemerkenswert, die Doppelbödigkeit auch.

Moderation: Andreas Platthaus

Tickets:
Streamingticket 5,– Euro/ Streamingabonnement für alle vier Abende 12,– Euro (der Vorverkauf läuft)
Sollten die Veranstaltungen auch als Präsenzveranstaltungen realisiert werden dürfen, so sind ab Anfang März Saaltickets zu 12,– Euro/8,– Euro zu erwerben.

Tickets erhalten Sie über den Onlineshop des Literaturhauses Hamburg.