Woche der Meinungsfreiheit, 3. bis 10. Mai 2022

Die Veranstaltungen der Literaturhäuser

Krisen und Umbrüche werfen wichtige Fragen für die Zukunft der Gesellschaft auf. Extreme Stimmungen und Meinungen werden national wie international lauter, der demokratische Diskurs gerät unter Druck. Mit der Woche der Meinungsfreiheit machen der Börsenverein, Buchbranche und Zivilgesellschaft vom 3. bis 10. Mai 2022 auf die Bedeutung der Meinungsfreiheit für eine freie, demokratische und vielfältige Gesellschaft aufmerksam. Verlage und Buchhandlungen können unter dem Motto #MehrAlsMeineMeinung mit Veranstaltungen, Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit die Woche mitgestalten.
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Literaturhaus Frankfurt
Mittwoch 4. Mai 2022, 19.30 Uhr

Gelebtes Leben. Denker der Freiheit im Porträt: Ayn Rand
Mit Linda Teuteberg und Wolfram Eilenberger
Moderation: Rainer Hank (F.A.Z.)

Die Veranstaltung in der Reihe »Gelebtes Leben. Denker der Freiheit im Porträt« widmet sich der russischen Emigrantin, Roman-Schriftstellerin, Essayistin sowie radikalen Anti-Kommunistin Ayn Rand (1905 – 1982). In den USA gilt sie als leidenschaftliche Verfechterin der individuellen Freiheit und des Kapitalismus, zu deren »Bewunderern« auch der ehemalige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, gehörte. Während ihre Ideen in den USA große Wirkung erzielten, ist sie in Deutschland immer noch vergleichsweise unbekannt. Linda Teuteberg, Mitglied des Deutschen Bundestages (FDP), und der Philosoph und Schriftsteller Wolfram Eilenberger (»Feuer der Freiheit«, Klett-Cotta) sprechen über Leben und Werk von Ayn Rand. Der Frankfurter Publizist Rainer Hank (F.A.Z.) kuratiert und moderiert die Reihe.

»Gelebtes Leben« ist eine Gastveranstaltung der Karl-Hermann-Flach-Stiftung und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.
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Literaturhaus Basel
Donnerstag, 5. Mai 2022, 19.00 Uhr

Quo Vadis Türkei? 
Mit Can Candan, Sibel Arslan und Sabine Strasser

Selbst für die krisenerprobte Türkei waren die letzten Jahre eine Zerreissprobe. Die Covid-Pandemie, die anhaltende Entwicklung hin zu einer autoritären Herrschaft mit weitreichenden Eingriffen in Wissenschaft und Meinungsfreiheit, Korruptionsskandale, Wirtschaftskrise und die anhaltende Ankunft Geflüchteter aus Afghanistan und Syrien erschüttern die Gesellschaft und setzen die Regierung unter Druck. Die Auswirkungen sind auch in Europa, insbesondere innerhalb der türkischen Diaspora, zu spüren. Über Meinungsfreiheit, Migration sowie die Beziehungen Schweiz-EU-Türkei geht es im Gespräch mit Can Candan, ein renommierter Dokumentarfilmemacher und Akademiker, der 2021 aus politischen Gründen die Bosphorus Universität Istanbul verlassen musste, der Basler Nationalrätin Sibel Arslan und der Sozialanthropologin Sabine Strasser (Uni Bern).

In Kooperation mit der Studien-und Forschungsstelle Schweiz-Türkei
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Literaturhaus München
Donnerstag, 5. Mai 2022, 19.00 Uhr

Volha Hapeyeva über Poesie als Möglichkeit, die Freiheit des Wortes und der Menschen zu verteidigen 
Moderation: Gun-Britt Kohler

Dichten sei eine Art »sich abzudichten«, so die Lyrikerin (»Mutantengarten« // Edition Thanhäuser // Aus dem Belarussischen übersetzt von Matthias Göritz, Martina Jakobson und Uljana Wolf) und Roman-Autorin (»Camel Travel« // Literaturverlag Droschl) Volha Hapeyeva, 1982 in Minsk geboren. Deutlich und schnörkellos ist ihre Poesie, so klar wie kunstvoll richtet sie sich gegen Unterdrückung und Manipulation. Volha Hapeyeva ist seit Mai 2021 Stipendiatin des PEN-Writers-in-Exile-Programms in München und wurde aktuell mit dem Wortmeldungen-Preis 2022 ausgezeichnet. Ihre »widerständige Poesie gewinnt vor dem Hintergrund des Krieges gegen die Ukraine an bedrückender Aktualität«, so die Jury.
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Literaturhaus München
Donnerstag, 5. Mai 2022, 20.30 Uhr

Sasha Filipenko stellt seinen Roman »Die Jagd« vor
Moderation: Michael Lemling, Dolmetscher: Thomas Weiler, Lesung der deutschen Textpassagen: Thorsten Krohn

Der belarussische Journalist, Drehbuchautor und Schriftsteller Sasha Filipenko, Jahrgang 1984, lebte in St. Petersburg, verließ Russland im Jahr 2020 und wohnt seitdem an wechselnden Orten in Westeuropa. Er warnt: »Russland ist unberechenbar«. In seinem neuen Roman (Diogenes // Aus dem Russischen von Ruth Altenhofer) erzählt er die Geschichte des idealistischen Journalisten Anton Quint, der sich mit den falschen Leuten anlegt. Ein Oligarch, der keine Gnade kennt, Medien, die auf Bestellung einen Ruf ruinieren – es ist ein furioser Roman, der zwischen Satire, Dystopie und bitterer Realität changiert.
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Literaturhaus Salzburg
Freitag, 6. Mai 2022, 19.30 Uhr

Sasha Filipenko stellt seinen Roman »Die Jagd« vor
Lesung und Gespräch, moderiert von seiner Übersetzerin Ruth Altenhofer, deutsche Lesung: Michael Kolnberger

In seinem neuen Roman »Die Jagd« (Diogenes Verlag, 2022, übersetzt von Ruth Altenhofer) erzählt der belarussische Autor Sasha Filipenko die Geschichte eines idealistischen Journalisten, der sich mit einem Oligarchen anlegt, worauf dieser den Befehl gibt, ihn fertigzumachen. Die Hetzjagd ist eröffnet. Moderation und Übersetzung: RuthAltenhofer. Deutsche Lesung: Michael Kolnberger.

Wolodja Slawin ist ein Oligarch mit politischen Ambitionen. Als der junge Journalist Anton Quint enthüllt, dass der selbsternannte Patriot sein Vermögen außer Landes gebracht hat und seine Familie lieber an der Côte d’Azur weilt als in Russland, schwört Slawin Rache. Aus den Stimmen von Jägern und Gejagtem setzt sich die Geschichte einer Menschenjagd mit fatalen Folgen zusammen. Temporeich, schonungslos, literarisch meisterhaft komponiert – ein Roman, nah an der Realität, von einem mutigen Kritiker der Zustände in Russland und seinem Heimatland Belarus.
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Literaturhaus Salzburg
Montag, 9. Mai 2022, 19.30 Uhr

Radka Denemarková stellt ihren Roman »Stunden aus Blei« vor
Lesung und Gespräch, moderiert von Dana Pfeiferová

Radka Denemarková zählt zu den bedeutendsten Autorinnen Europas und wurde schon als mögliche Anwärterin für den Literaturnobelpreis genannt. Mit »Stunden aus Blei« (Hoffmann & Campe, 2022, übersetzt von Eva Provousová) legt sie nach Jahren der Recherche und des Schreibens einen Roman über das heutige China vor. Das von der Kritik gefeierte Buch ist in Tschechien – Originaltitel »Hodiny z olova« (2018) – ein Bestseller. Moderation: Dana Pfeiferová.

Peking ist Sehnsuchtsort für eine Gruppe von Europäern, die nach China kommen, um sich selbst zu finden. Doch den Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung sind in dem kommunistischen Land starre Grenzen gesetzt. Die Begegnung mit chinesischen Dissidenten stellen ihre Wertvorstellungen auf die Probe, und sie alle geraten an einen dramatischen Wendepunkt in ihrem Leben. Den Mittelpunkt der Gruppe bildet eine tschechische Schriftstellerin, die sich voller Überzeugung für demokratische Werte einsetzt und zum moralischen Leitstern für eine chinesische Studentin wird. Die gemeinsame Lektüre philosophischer Texte animiert die junge Frau zum politischenWiderstand – mit fatalen Folgen.
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